Was ist unser Maßstab?

Ein kleiner Impuls zum Nachdenken


Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt.
Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf.
Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.
(1. Korinther 10,23-24)


Fällt Ihnen dazu auch Goethes Tasso ein: „Erlaubt ist, was gefällt.“? Meist wird aber die Entgegnung der Prinzessin weggelassen: „Erlaubt ist, was sich ziemt.“ Was ist das, was sich ziemt? Was nützt? Was aufbaut?

Sie war eine junge, lebenslustige Frau. Und sie hatte eine große Leidenschaft: das Tanzen. Auf jeder Tanzveranstaltung war sie eine gern gesehene und begehrte Partnerin. Erst vor kurzem hatte sie Gott ihr Leben anvertraut. Das wusste aber kaum jemand außerhalb ihres Studentenbibelkreises.

Eines Abends traf sie eine Bekannte aus diesem Kreis im Tanzlokal. „Hallo, welche Überraschung! Wie kommt es, dass du hier bist?“, wollte sie wissen. „Na, Isobel, wenn du als Christ zu solchen Veranstaltungen gehen kannst, dann ist das für mich doch auch o.k., nicht wahr?“, antwortete sie. In den folgenden Monaten bemerkte Isobel, dass diese junge Frau immer häufiger beim Tanz und immer seltener im Bibelkreis anzutreffen war. Das ließ ihr keine Ruhe und sie rang sich durch zu dem Beschluss, ihre Leidenschaft Tanzen aufzugeben. Sie wollte anderen Christen dadurch nicht länger ein schlechtes Vorbild geben.

Alles ist erlaubt, sagt Paulus den Korinthern. Tanzen hätte Paulus sicher nicht als schlechte Freizeitbeschäftigung an sich angesehen. Doch am Beispiel von Isobel Kuhn wird deutlich, was Paulus meint. Die Bekannte aus dem Bibelkreis wurde durch Isobels Verhalten nicht in ihrem Glauben gestärkt, sondern davon abgebracht.

Wer in der Abhängigkeit von Jesus lebt und Gott darum bittet, seine Tage zu gestalten, dem ist jede Betätigung erlaubt. Er wird seine Arbeit im Namen Gottes tun, seine Worte im Namen Jesu sagen und in allem Gott, dem Vater danken (vergleiche Kolosser 3,17).

Eine Bedingung ist nämlich an mein Tun geknüpft: das liebevolle Achtgeben auf meine Mitmenschen. Ermutige ich sie im Glauben durch mein Verhalten, oder werden sie dadurch verunsichert? Das muss mein Maßstab sein bei allem, was ich am heutigen Tag unternehme.

Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass Sie ihre Tage vor Gottes Angesicht und in Achtsamkeit gegenüber Ihren Mitmenschen leben.


Ihre Predigerin Gertrud Kurrle