Landeskirchliche Gemeinschaft Stralsund

Göttliches Erinnerungszeichen

Ein kleiner Impuls zum Nachdenken

Gott spricht: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

  1. Mose 9, 13

„Wo ist der Regenbogen? Hier muss doch ein Regenbogen zu sehen sein!“ Es regnet und gleichzeitig scheint die Sonne. Ich drehe mich also suchend um, um zu sehen, wo der Regenbogen gegen die schwarzen Wolken sichtbar wird.

Mit dem Regenbogen verbinde ich nämlich ein wichtiges Erlebnis. Nach dem Abitur hatte ich mich bei mehreren Fachhochschulen für Sozialpädagogik beworben, war aber nur auf die Warteliste gekommen. So absolvierte ich ein diakonisches Jahr. In dieser Zeit lernte ich die Bibelschule Adelshofen kennen, und der Wunsch wuchs in mir, meine Ausbildung dort zu beginnen. Doch dann kam die Zusage der Fachhochschule.

Was nun? Ich fürchtete, als junger Christ im rauen Alltag einer Uni nicht bestehen zu können. Also sagte ich dort ab. Aber war das wirklich die richtige Entscheidung? Mit zweifelnden Gedanken fuhr ich zur Jugendstunde. Hinter einer Biegung wölbte sich plötzlich ein Regenbogen über die Straße. Ich kam mir vor, als würde ich mitten unter ihm hindurchfahren. Mein Herz jubelte: Gott hatte mich an seinen Bund mit der Erde und mit mir erinnert und ihn bestätigt. Es war der richtige Weg.

Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht – all das soll nicht aufhören, solange die Erde steht. Das ist der Bund Gottes mit uns. Und der Regenbogen soll uns immer wieder daran erinnern, weil wir vergessliche Leute sind.

Selten bringen wir den Regenbogen mit einer Waffe in Verbindung. Doch bei der Jagd kamen früher Bogen und Pfeile zum Einsatz. Ein Pfeil, der auf dem Bogen in den Wolken abgeschossen würde, flöge himmelwärts, weg von uns. Der Pfeil des Zornes Gottes, der den Sünder treffen müsste, trifft ihn selbst, seinen geliebten Sohn. Dort am Kreuz litt der Gottessohn ein für allemal für unsere Schuld. Auch daran erinnert mich der Regenbogen.

Darum kann ich mich kaum sattsehen an diesem göttlichen Erinnerungszeichen, das uns in seiner Farbenpracht ein winziges Löchlein in die himmlische Herrlichkeit eröffnet. Den Regenbogen werden wir übrigens in der Ewigkeit wiederfinden: um den Thron Gottes und auf dem Haupt des Engels mit dem Büchlein.

Gott bindet sich bis in alle Ewigkeit an sein Wort. Seiner Treue können wir ewiglich vertrauen. Von Herzen wünsche ich allen, dass ihr die großen und kleinen Erinnerungen Gottes an eurem Weg erkennen könnt und euer Glaube dadurch gestärkt wird.

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Eure/Ihre Predigerin Gertrud Kurrle